Nicht Hierarchie führt das Unternehmen, sondern Verantwortung

Lukas Traub und Franz Traub im Gespräch mit Wirtschaft Regional Redakteur Tobias Köhler.

Nicht Hierarchie führt das Unternehmen, sondern Verantwortung

Ein Interview von Tobias Köhler – Wirtschaft Regional

Die TRAUB Unternehmensgruppe aus Aalen-Ebnat prägt seit über 70 Jahren das Bauen in Ostwürttemberg. Das Familienunternehmen steht für viele markante Gebäude und einen hohen Qualitätsanspruch. Ein Gespräch mit zwei Generationen der Familie Traub: Franz Traub und sein Sohn Lukas Traub blicken auf die Firmengeschichte, die Faszination für den Werkstoff Beton und den Mut, in einer Wirtschaftskrise neue Wege zu gehen.

Herr Traub, wenn man durch den Ostalbkreis fährt, sieht man Ihre Firmenfarbe überall. Dieses markante Lindgrün ist fast schon ein Wahrzeichen. Wer ist darauf gekommen?

Franz Traub: Das war tatsächlich die Lieblingsfarbe meiner Mutter, Inge Traub. Sie hat die Firma mit aufgebaut und damals die Farbe für die LKW ausgesucht. Wir haben 2023 unser 70-jähriges Bestehen gefeiert – das Grün ist dabei über die Jahrzehnte zu unserem Markenzeichen geworden. Das Geniale an der Farbe ist, dass sie relativ einzigartig ist. Jeder in der Region kennt unsere Fahrzeuge.

Aalens Oberbürgermeister Frederick Brütting sagte: „Sie haben Aalen mitgebaut.“ Was bedeutet Ihnen diese regionale Verwurzelung?

Franz Traub: Das bringt unsere tiefe Verwurzelung auf den Punkt. Wir haben die Region über Jahrzehnte nicht nur begleitet, sondern mitgestaltet. Wenn Sie heute durch die Region fahren, begegnet Ihnen Traub an vielen Ecken: von den Limes-Thermen, der Kreissparkasse und VR-Bank bis hin zum Rathaus oder dem Landratsamt. Unsere Spezialität liegt genau in dieser Bandbreite: Wir können vom Sportstättenbau über das Kino bis hin zum Wohnungsbau im Grunde alles abbilden. Diese Gebäude prägen das Gesicht unserer Heimat.

Lukas Traub: Sie sind Teil des täglichen Lebens der Menschen hier geworden. Ob man nun in der VOITH-Arena mitfiebert, im Kaufland einkauft oder im iLive-Tower essen geht – das sind Gebäude, die für tausende Menschen jeden Tag erlebbar sind. Für uns ist das kein anonymes Geschäft; wir bauen für unsere Nachbarn und für unsere Heimat. Das schafft eine ganz andere Verantwortung und Qualität.

 

Was macht ein Traub-Gebäude – neben der Vielfalt Ihrer Aufträge – besonders?

Lukas Traub: Wir bauen mit Beton. Er ist die Grundlage unseres Erfolgs. Was uns besonders macht, ist unsere enorme Fertigungstiefe. Wir sind im Grunde eine autarke Manufaktur. Wir machen jeden Eisenbügel selbst, produzieren im eigenen Fertigteilwerk, haben eine eigene Logistik und erledigen die Montage auf der Baustelle selbst. Das reduziert Schnittstellen und damit Risiken massiv.

Franz Traub: … und wir stellen in unserer eigenen Mischanlage unseren Werkstoff Beton selbst her. Es ist der Kern unserer Arbeit: Gebäude zu schaffen, die Bestand haben und über 100 Jahre halten.

 

Herr Traub, Sie sind die dritte Generation im Unternehmen. Wie sieht das Miteinander zwischen Vater und Sohn im Alltag aus?

Lukas Traub: Uns Kindern wurde jeder Freiraum gelassen. Ich habe erst etwas im sozialen Bereich gemacht und mich dann aus eigener Motivation für die Firma entschieden. Es gibt bei uns auch keinen harten Stichtag für eine Übergabe, sondern es ist ein Prozess. Nicht Hierarchie führt das Unternehmen, sondern Verantwortung.

Franz Traub: Persönliche Konflikte gibt es bei uns nicht. In der Sache gibt es natürlich verschiedene Ansichten, aber da muss man sich zusammensetzen und einen Weg finden. Trotz des Altersunterschieds haben wir sehr ähnliche Werte. Das Bodenständige prägt uns beide gleichermaßen. Das Vertrauen unserer Kunden ist dabei unsere wichtigste Währung. Unsere Philosophie ist: Wir wollen, dass der Kunde am Ende sagt: „Wenn ich wieder baue, dann mit TRAUB.“

 

Blicken wir auf die Branche: Es sind keine einfachen Zeiten. Wie schätzen Sie die aktuelle Lage ein?

Franz Traub: Die Lage ist kritisch, weil die Stimmung in der Wirtschaft eher schlecht ist. Wir sehen ganz klar eine Strukturveränderung: Große, volumenstarke Projekte bleiben aktuell weitgehend aus. Real liegt das gesamte Auftragsvolumen weiterhin unter dem Niveau früherer Jahre, weshalb 2026 sicherlich noch mal ein herausforderndes Jahr für die Branche wird.

Lukas Traub: Gerade wenn es schwierig ist, muss man aktiv sein und darf nicht in Schockstarre verfallen. Es wird zwar ein leichtes Plus in der Branche erwartet, aber kein schneller Boom. Stattdessen dominieren aktuell kleinere und mittlere Bauvorhaben. Das sorgt für Auslastung, aber wir müssen deutlich mehr Projekte parallel abwickeln, um auf ein vergleichbares Umsatzniveau zu kommen. Für uns bedeutet das: mehr Flexibilität, effizientere Abläufe und die Zeit zu nutzen, um uns konsequent weiterzuentwickeln – wie etwa im Bereich der Projektentwicklung und im Immobilienbereich.

 

Ein Beispiel für diese Weiterentwicklung ist Ihr Hotelprojekt in Ellwangen. Wie passt das zum klassischen Bauunternehmen?

Franz Traub: Das ist ein Projekt, das mich gerade richtig begeistert! Wir bauen das Holiday Inn Express & Suites nicht nur, sondern betreiben es über eine eigene Gesellschaft auch selbst. Wir starten zur Landesgartenschau im April. Es ist extrem spannend, mal die Perspektive zu wechseln und die Seite des Betreibers kennenzulernen. Das bringt eine ganz neue Energie.

 

Auch mit Ihrem neuen Firmengebäude in Ebnat setzen Sie ein Zeichen. Was ist dort das Ziel? 

Lukas Traub: Unser Neubau ist eine bewusste Investition in die Zukunft. Wir schaffen dort eine völlig neue Art des Arbeitens – unsere „TRAUB Arbeitswelt“. Wir wollen weg von klassischen, geschlossenen Strukturen hin zu offenen Flächen, die den Austausch fördern. Gleichzeitig ist das Gebäude ein Referenzprojekt von uns für uns. Wir zeigen, was wir können, und setzen dabei auf ein autarkes Energiesystem, das Photovoltaik mit einem innovativen Eisspeicher kombiniert. Wir bauen genau so, wie wir uns die Zukunft vorstellen: innovativ und bewusst.

 

Welche aktuellen Projekte verkörpern diesen Geist für Sie am besten? 

Franz Traub: Das sind Highlights wie das Werk 6 von Franke in Aalen oder Projekte für JRS in Rosenberg und Eisenmann in Gärtringen. Alles wunderbare Projekte – nicht nur, weil sie groß sind, sondern auch aufgrund der Gestaltung und der sehr anspruchsvollen Ausstattung. Ich freue mich, wenn es Herausforderungen gibt und wir ein Projekt technisch, physikalisch und wirtschaftlich optimieren – das macht Spaß.

Lukas Traub: Jetzt bist du ein bisschen ins Schwärmen gekommen…

 

Wie sieht die Vision für Traub in 30 Jahren aus? 

Lukas Traub: Mein Zielbild ist: Wenn jemand bauen möchte, dann soll er es mit TRAUB wollen. Und wenn jemand in der Baubranche arbeiten möchte, dann bei TRAUB. Das Familiäre und Bodenständige soll dabei immer erhalten bleiben. Es geht nicht um irgendwelche Zahlen, sondern um das, was bleibt.

 

Gibt es denn schon Anzeichen für die vierte Generation? 

Lukas Traub: Mein achtjähriger Sohn ist oft in den Ferien da, schlendert durch die Verwaltung, schaut auf unseren Baustellen vorbei oder ärgert auch mal den Opa. Das Interesse ist definitiv da, aber er wird alle Freiheit haben, seinen eigenen Weg zu finden. Sollte dieser ihn später wieder hierher führen, würde mich das natürlich sehr freuen.

 

Pressebericht Wirtschaft Regional, Ausgabe: Januar 2026

Nach oben